Wenn die Kundalini ihren „Job“ erfüllt und alle Chakren gereinigt und Blockaden entfernt hat, was kommt dann? Die Erleuchtung?

Schön wär’s! (Außerdem: Was ist schon „Erleuchtung“? Dazu an anderer Stelle mehr.) Die Chakren sind „nur“ die Energienzentren. Darüber hinaus gibt es da noch die 72.000 Nadis – Energieleit- bzw. Nervenbahnen, durch die die Kundalini fliesst. Da gibt es also noch einiges zu tun, was wir aus dem jetzigen und früheren Leben  am Karma gesammelt haben.

Alle Blockaden zu entfernen bedeutet nicht automatisch, dass die Erleuchtung folgt. Aber: Die Eliminierung von Blockaden ist nötig, damit der Zustand der Erleuchtung hergestellt werden kann und vor allem stabil bleibt.  Manche Meditierende erleben einen kurzen Moment der Ekstase – die völlige Glückseligkeit –  können die dafür nötige hohe Energie aber nicht länger als für einen kurzen Moment halten. Natürlich haben auch Heilige, Gurus, Yogis und andere Weise ihre Blockaden. Sie haben sich jedoch von den größten befreit und arbeiten immer wieder daran, auch die kleineren im Laufe der Zeit zu lösen.

Ziel ist es, immer weniger Blockaden zu haben, um den Zustand der Glückseligkeit immer länger halten und ohne größere Schwierigkeiten hervorrufen zu können.

Und dann bleibt der Zustand fortwährend?

Leider nein. Auch die Erleuchteten müssen weiterhin einen (gesunden) Lebenswandel führen, der es ihnen erlaubt, in diesem höheren Bewusstsein zu bleiben. So wie ein Sportler ständig trainieren muss, um auf seinem Leistungsniveau zu bleiben, so muss dies auch ein hochspiritueller Mensch  tun. Meditieren, gesundes Essen, kein Alkohol, Ruhe, Natur und ein liebevoller Umgang mit sich und der Umwelt – wem dieses Leben zu langweilig ist, der sollte den spirituellen Weg nicht beschreiten. Regelmäßige Saufgelage oder nächtelange Kneipentouren werden nicht funktionieren, um den erreichten Standard aufrechtzuerhalten – abgesehen davon, dass diese Dinge dann sehr wahrscheinlich uninteressant für dich sein werden.  

Es ist ein Irrtum zu glauben, dass ein spirituelles Leben einfacher ist. Es ist auch ein Irrtum zu glauben, dass nur der Weg zum Ziel anstrengend sei. Den Platz auf dem Gipfel zu halten ist genauso Arbeit. Ist man dazu nicht bereit, kann und wird man wieder abstürzen.